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Hände weg von den letzten alpinen Freiräumen! (Allianz für die Seele der Alpen)

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Hände weg von den letzten alpinen Freiräumen!

Alpenverein, Naturfreunde und WWF bilden "Allianz für die Seele der Alpen"

Positivbeispiel. Längental in Tirol (c) Anton Vorauer/WWFzoom
Negativbeispiel. Ischgl 2017 (c) Anton Vorauer/WWFzoom
 
  • Landschaftsräume bewahren, die noch weitgehend naturbelassen und wenig erschlossen sind

  • Politik muss geeignete Schutzkonzepte und Instrumente entwickeln

  • Wertvolle Freiräume für Menschen als Erholungsraum, für nachhaltige Alm- und Waldwirtschaft und für Tiere als Lebensraum erhalten und für die Zukunft sichern

Innsbruck, 28. November 2017

Nur noch sieben Prozent der Staatsfläche unerschlossen

Jene Landschaften in Österreich, die völlig oder weitgehend naturbelassen sind, werden immer weniger. Heute sind nur noch sieben Prozent der gesamten Staatsfläche gar nicht bzw. nur gering erschlossen, mehr als die Hälfte davon ist nicht vor landschaftsbelastenden Eingriffen geschützt.

Mit der "Allianz für die Seele der Alpen" machen der Österreichische Alpenverein, die Naturfreunde Österreich und der WWF Österreich auf diese alarmierende Entwicklung aufmerksam und rücken die Bedeutung der letzten alpinen Freiräume als seltene und wertvolle Ressource in den Vordergrund. Die letzten naturbelassenen Landschaftsräume dürfen nicht weiter verbaut werden!

Die letzten naturbelassenen Landschaftsräume in Österreichzoom
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Biologische Vielfalt in Gefahr

"Diese ursprünglichen alpinen Natur- und Kulturlandschaften beheimaten eine besonders große biologische Vielfalt. Bund und Land sind jetzt gefordert, unser einzigartiges Naturerbe, die Seele der Alpen, zu bewahren. Denn ohne Kurswechsel beim Boden- bzw. Flächenverbrauch bleiben Arten- und Naturschutz auf der Strecke. Zahlreiche Tiere und Pflanzen sind auf intakte und störungsarme Lebensräume angewiesen, seien es Steinadler, Steinbock und Alpenmurmeltier oder Enzian und Edelweiß", unterstreicht Hanna Simons, stellvertretende Geschäftsführerin des WWF Österreich.

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Einzigartige Erholungsräume, die Naturerlebnis ermöglichen

Alpine Freiräume sind nicht nur für den Arten- und Naturschutz wichtig. "Sie stellen auch einzigartige Erholungsräume für uns Menschen dar. In unserer hochtechnisierten Gesellschaft hat das Naturerlebnis einen ganz besonderen Stellenwert. Die Menschen sehnen sich zunehmend nach einem Kontrast, nach tiefer Stille, reiner Luft und nach Naturräumen, in denen der Blick frei schweifen und die Seele zur Ruhe kommen kann. Die gesundheitliche Bedeutung dieser Landschaften ist nicht zu unterschätzen! Nicht ohne Grund sind sie das wichtigste Kapital für einen naturnahen Ganzjahrestourismus.

Doch die Schlinge um die unerschlossenen Gebiete zieht sich langsam aber sicher zu – man denke nur an die einzigartige, einsame Gletscherlandschaft, an die der Skigebietszirkus von Ötztal und Pitztal jetzt heranrückt. Es wäre fatal, wenn unsere letzten Rückzugsgebiete der kurzsichtigen flächendeckenden Erschließung zum Opfer fielen", so Ingrid Hayek, Vizepräsidentin des Österreichischen Alpenvereins.

Die Wildspitze, aufgenommen am Gipfel des Linken Fernerkogels. Naturbelassene, wilde Gegend im Spannungsfeld zwischen den Skigebieten Ötztal/Pitztal (c) Werner Flörl/ÖAVzoom
Innere Schwarze Schneid links und Linker Fernerkogel rechts, aufgenommen vom Karleskopf. Naturbelassene, wilde Gegend im Spannungsfeld zwischen den Skigebieten Ötztal/Pitztal (c) Werner Flörl/ÖAVzoom
 
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Hoch sensibler alpiner Raum

Leopold Füreder, Vorsitzender der Naturfreunde Tirol, betont die Wichtigkeit unversehrter Naturräume: "Wir Menschen brauchen eine intakte Natur für unsere körperliche, geistige und seelische Gesundheit. Deshalb ist es unsere gemeinsame Verantwortung, wertvolle Ökosysteme auch für zukünftige Generationen zu erhalten, damit unsere Gesellschaft nicht buchstäblich den Boden unter den Füßen verliert.

Jede Verbauung im sensiblen alpinen Raum hat aber auch einen enormen Einfluss auf die Ökosysteme. So würde der Ausbau des Kraftwerks Kaunertal den Wasserhaushalt der Ötztaler Alpen irreversibel verändern! Besonders in den sensiblen Zonen über der Waldgrenze ist jedes Stück Biodiversität einzigartig. Dort hat sich eine Reihe von Biotopen mit einer großen Zahl an sehr speziell angepassten Pflanzen- und Tierarten herausgebildet. Veränderungen und Störungen, wie sie etwa durch Großprojekte hervorgerufen werden, wirken sich unter ihnen besonders dramatisch aus.

Aus gutem Grund wurden zahlreiche Schutzgebiete in den höheren Lagen ausgewiesen. Doch momentan sind nicht einmal Schutzgebiete vor Großprojekten sicher! Der Glaube, mit dem Anlegen von Ausgleichsflächen sei alles geregelt, bleibt fragwürdig. Denn damit kann die Ursprungsfläche niemals komplett ersetzt werden", erklärt Füreder.

Verbaute Fläche: täglich 21 Fußballfelder

Die Entwicklungen in Österreich sind dramatisch; beim Bodenverbrauch liegt unser Land innerhalb Europas an der negativen Spitze. Im vergangenen Jahr wurden im Schnitt täglich 14,7 Hektar – das entspricht einer Fläche von 21 Fußballfeldern – verbaut. In den alpinen Regionen sind es vor allem großtechnische Maßnahmen für Verkehr, Energiewirtschaft und Tourismus, die dafür sorgen, dass auch die letzten weitgehend unerschlossenen Gebiete verloren gehen.

In den Bergen fällt in Folge des Klimawandels immer weniger Schnee, also dringt der hoch technisierte Wintertourismus mit neuen Lift- und Beschneiungsanlagen in immer höhere und extremere Bergregionen vor. Auch der Energiesektor drängt in die wenigen verbliebenen Freiflächen: Projekte zur Errichtung von Windparks, Speicherseen oder Ausleitungskraftwerken drohen letzte intakte Flüsse und Hochtäler zu zerstören.

Positionspapier

Appell an künftigen Umweltminister

Lebenswichtige natürliche Ressourcen auch für künftige Generationen zu erhalten, ist aus Sicht der Umweltorganisationen jetzt Gebot der Stunde. Dafür braucht es bundes- und alpenweit abgestimmte Schutzkonzepte sowie eine vorausschauende und nachhaltige Raumentwicklung.

Vor diesem Hintergrund richten die drei Organisationen den dringenden Appell an die Landesregierungen sowie den künftigen Umweltminister bzw. die künftige Umweltministerin – zugleich Vorsitzende/r der Alpenkonvention:

Setzen Sie den Aktionsplan "Alpiner Freiraumschutz in Österreich" um!

  • Keine weiteren großtechnischen Erschließungen in noch naturbelassenen Landschaftsräumen!
  • Rechtlicher Schutz und Erhalt von alpinen Freiräumen und der Alpinregion!
  • Strategisches Konzept für Erhalt und Nutzung alpiner Freiräume!

Impressionen von der Pressekonferenz am 28.11.2017

Gemeinsame Pressekonferenz zur "Allianz für die Seele der Alpen" im Alpenvereinshaus in Innsbruck. Alle Fotos: ÖAV/Norbert Freudenthaler

Drei Organisationen bilden die "Allianz für die Seele der Alpen": Leo Füreder (Naturfreunde Österreich), Hanna Simons (WWF Österreich) und Ingrid Hayek (Österreichischer Alpenverein) vor der Innsbrucker Nordkette. zoom
Drei Organisationen bilden die "Allianz für die Seele der Alpen": Leo Füreder (Naturfreunde Österreich), Hanna Simons (WWF Österreich) und Ingrid Hayek (Österreichischer Alpenverein) vor der Innsbrucker Nordkette.

9 Bilder

 
 

Mehr Informationen zum Thema:

Bundesländer-bezogene Factsheets sowie eine Österreichkarte mit Freiräumen, aktuellem Schutzstatus und aktuellen Projektplanungen finden Sie unter folgendem Link:

www.wwf.at/seele-der-alpen