Alpinkletterprojekt der Sektion Gmunden

19 Stunden Dachstein Südwand – Eine Geschichte von unbeachteten Zeichen, unbezahlbaren Erlebnissen und unersetzlicher Freundschahaft

Von Andreas Mattischek


Als mein Kletterpartner Daniel, unser gemeinsamer Freund Jan, der an diesem Tag als Ein-Mann-Filmteam fungierte, und ich am 8. August 2016 um 1 Uhr Nachts aufstanden und somit endlich in unser lang erwartetes Alpinkletter

projekt starten konnten, wusste noch keiner von uns, was genau an diesem Tag so geschehen würde. Wir waren nervös und gespannt aber auch voller Motivation. Dass es einer der eindrücklichsten Tage unseres bisherigen Lebens werden sollte, konnten wir nur erahnen…

Wir verließen die Südwandhütte um 2 Uhr und starteten den Zustieg zur Dachstein-Südwand, mit dem Ziel, durch die Route „Weg der Mitte“ (6+, 700hm) bis zur Schulter des Dachsteins zu klettern, nur um danach abzusteigen und abermals über den „Steinerweg“ (5, 800hm) durch die gesamte Wand bis zum Gipfel zu klettern. Nach spätestens 24 Stunden wollten wir wieder bei der Dachstein-Südwandhütte eintreffen. Um unseren ehrgeizigen Plan, 2-mal an einem Tag durch dieses gewaltige Wand zu klettern, realisieren zu können, benötigten wir dafür natürlich auch eine ausgeklügelte Taktik, damit wir schnellstmöglich durch beide Routen klettern konnten. Wir entschieden uns dafür, so viele Seillängen als möglich am sogenannten „laufenden Seil“ zu klettern. Diese spezielle Sicherungsmethode birgt zwar ein höheres Risiko, ermöglichte uns jedoch die, für das Projekt, notwendige Geschwindigkeit.

Nachdem wir den Zustieg relativ rasch, trotz kleinerer Magenkomplikationen des einen oder anderen Mitstreiters, hinter uns gebracht hatten, stieg Daniel in stockdunkler Nacht in die erste, Großteils nasse, Seillänge ein. Er wollte sofort die folgenden 3 Längen überspringen, und erst nach gut 100 Klettermetern den ersten Standplatz bauen um mich nachzusichern. Gerade als ich das komplette Seil ausgegeben hatte und eigentlich wegklettern wollte, ertönte plötzlich ein markerschütternder Schrei von oben und das Seil spannte sich. Danach war es ruhig. Ich war geschockt und wusste nicht so recht was passiert war. Als Daniel endlich auf meine Rufe reagierte und mir mitteilte, dass im Prinzip alles in Ordnung sei bei ihm, konnte ich erleichtert aufatmen. Das war ein riesen Schock für uns beide und gleich mal ein herber Rückschlag für das gesamte Projekt. Wie sollte es jetzt weitergehen? Haben wir jetzt überhaupt noch eine Chance? Macht es überhaupt noch Sinn? Die Moral von Daniel war jetzt natürlich stark angeschlagen, doch von aufgeben war nie die Rede.

Die folgenden Stunden am Fels liefen dann zum Glück wieder ohne größere Zwischenfälle ab. So konnte sich auch Daniels Kopf wieder erholen, was unserer Klettergeschwindigkeit sehr entgegenkam. Auch ein Griffausbruch inklusive Standsturz von mir, hielt uns nicht davon ab, nach 5 Stunden und 30 Minuten Kletterzeit den Ausstieg der Route zu erreichen. Da wir um einiges schneller als geplant auf der Dachstein-Schulter saßen, gönnten wir uns dort eine etwas längere Pause, bevor wir das erste Mal an diesem Tag den Abstieg Richtung Südwandhütte in Angriff nahmen. Diese erreichten wir dann relativ flott. Christian, der äußerst nette Wirt der Hütte, stellte uns sofort alles Notwendige bereit, damit wir unsere Kräfte wieder auftanken konnten. Von dieser Unterstützung gestärkt, starteten wir frisch erholt in die zweite Runde.

Der abermalige Zustieg verflog regelrecht. Das heikle Einstiegsschneefeld kostete uns nochmals einige Nerven, doch nach wenigen Minuten war auch das geschafft. In den darauf folgenden 3 Stunden und 30 Minuten kletterten wir wie in einer Art Trance durch die kompletten 27 Seillängen des Steinerwegs. Alles lief wie am Schnürchen. Jeder Schritt und jeder Griff entpuppte sich als reinster Genuss. Am Gipfel angekommen, ließen wir dann unseren Emotionen freien Lauf. Gemeinsam mit Jan, der den kompletten Tag so gut es ging auf Film festhielt, feierten wir diesen besonderen Moment.

Der finale Abstieg an diesem Tag war nur mehr Kür. Zu dritt wanderten wir im letzten Tageslicht über einen menschenverlassenen Gletscher zur Südwandhütte hinunter, um dort das Erlebte mit dem einen oder anderen Hopfen-Malz-Regenerationsgetränk gebührend zu feiern. Ein unbeschreiblicher Tag ging somit nach exakt 19 Stunden zu Ende. Ein Tag, an dem zu Beginn vieles gegen uns sprach, doch am Ende dann trotzdem alles passt. Unser Ehrgeiz und unsere Hingabe zu dem Projekt ermöglichten uns allen ein unvergessliches Erlebnis, bei dem im Endeffekt eigentlich etwas ganz etwas anderes wichtig war. Nämlich unsere Freundschaft und unser gegenseitiges Vertrauen.

 

Großen Dank von Daniel und mir an folgende Personen und Organisationen, die maßgeblich an der Erfüllung unseres Traums beteiligt waren:

OÖ Landesjugendteam des ÖAV

Jan Fehringer/D14 Production

Hüttenwirt und Personal der Dachstein-Südwandhütte

Sektion Gmunden des ÖAV

Sektion Schwanenstadt des ÖAV

Alle unsere Freunde welche unzählige Trainingsstunden mit uns verbrachten.

 

Die komplette ungekürzte Story findest du hier:

http://www.alpenverein.at/gmunden/berichte/2016-08-08-Dachstein-uncut.php


--> HIER noch ein Link zur Verfilmung des Projekts - ABSOLUT SEHENSWERT!

https://www.youtube.com/watch?v=uRBCpOOxx5o&app=desktop


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